Mit ihrer Wahl zum „Vogel des Jahres 2012“ rückt die äußerlich unscheinbare Dohle ins Rampenlicht. Sie ist der kleinste einheimische grau-schwarze Rabenvogel. Die hochintelligenten Dohlen zeigen ein ausgeprägtes Sozialleben. Bereits im ersten Lebensjahr „verlobt“ sich das Dohlenpaar und hält sich danach lebenslang die Treue.
Selten mehr als einen Meter voneinander getrennt erledigen die Lebenspartner nun ihr Tagesgeschäft. Stolz schreiten sie nebeneinander her oder schrauben sich im Synchronflug durch die Lüfte. Dabei nutzen sie Aufwinde und Luftwirbel, wie sie z.B. um Felsen und hohe Gebäude entstehen, gerne und gezielt zu faszinierenden, akrobatischen Luftspielen.
Das Dohlenpaar fliegt gerne in Gesellschaft. In Gruppen von bis zu mehreren hundert Vögeln begeben sie sich auf die Suche nach Futter und geeigneten Schlafplätzen. Haben die Jungdohlen das Nest verlassen, kümmern sich neben den Eltern auch andere Altvögel um sie. Nähert sich ein Feind, wird er von der ganzen Gruppe angegriffen. Auch kranke Vögel versorgt die Sippschaft so gut wie möglich.
Ursprünglich war die Dohle ein Steppenvogel. Wann ein Teil der Dohlen in unsere Siedlungen gezogen ist, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Als Höhlenbrüter nisten sie besonders gern in Gebäudenischen und Mauerlöchern, Kirchtürmen, Dachstühlen und Schornsteinen. (In unserer Gegend sind sie beispielsweise an der Burgruine Ardeck bei Holzheim anzutreffen.)
Teils aus Unwissenheit oder Gedankenlosigkeit, teils wegen Gebäudesanierungen sind in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Brutplätze der Dohle verloren gegangen. Viele Gemeinden vergitterten oder verschlossen Einflugmöglichkeiten in Kirchtürmen. Die Dohle ist jedoch dringend auf Nistplätze in unseren Siedlungen angewiesen, denn die Populationen dieser Baum- und Felsbrüter sind in den letzten drei Jahrzehnten praktisch zusammengebrochen. In Deutschland brüten nach gegenwärtigem Stand noch rund 100.000 Dohlenpaare. (Die Zahl der Saat- und Rabenkrähen geht dagegen in die Millionen.)
Nahezu aus allen Regionen werden rückläufige Zahlen gemeldet. Deshalb steht die Dohle in mehreren Bundesländern auf der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten. Der Dohle wäre schon viel geholfen, wenn man ihre Nistplätze unangetastet ließe und auf -übrigens verbotene - Verfolgung und Bejagung verzichtete.
Es lässt sich aber noch mehr tun: Mit speziellen Nistkästen kann man die Wohnungsnot dieser einzigartigen Luftakrobaten im Siedlungsbereich, in Parks und Wäldern mindern. Bauanleitungen zu Dohlennistkästen sind unter www.naburheinlahn.de zu finden.
Quelle: Amtsblatt Ausgabe KW 4/12 | Mittwoch, 25. Januar 2012