Mit voller Kraft für Birembo Draisinenfahrten auf der Aartalbahn für die Ruanda-Hilfe - Unterstützung für Aids-kranke Waisen
Unter den Füßen rattern die Schienen, die Augen blinzeln im Fahrtwind zur Burg Ardeck und die Arme hebeln im Takt: Draisinenfahrten auf dem alten Schienennetz der Aartalbahn sind nach wie vor ein Publikumsrenner.
Grund genug für den Arbeitskreis Aartalbahn und die Gemeinde Holzheim, das beliebte Schienenvergnügen fuer einen guten Zweck zu nutzen.
Wer bei der Holzheimer Kirmes am Wochenende eine Draisinenfahrt Richtung Freiendiez löste, unterstützte mit dem Fahrpreis die Ruanda-Hilfe. Strategisch günstig starteten die Draisinenfahrten am direkt neben dem Aartal Rad- und Wanderweg gelegenen Sportplatz.
Vom Rad aufs Gleis
Die Hoffnung von Holzheims Altbürgermeister Helmut Weimar, die Radfahrer könnten Lust bekommen, statt den Beinen mal die Arme in Bewegung zu bringen, erfüllte sich daher schnell.
Seit 16 Jahren ist Weimar in der Ruanda-Hilfe aktiv. Mit einer offiziellen Delegation um den damaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel reiste er Ende der 80er Jahre erstmals nach Ruanda. Seitdem verbindet Holzheim mit dem ruandischen Birembo eine Gemeindepartnerschaft. "Wer einmal da unten war, kommt von dem Land und der Herzlichkeit der Menschen nicht mehr los", beschreibt Helmut Weimar seinen Bezug zu Ruanda.
V
or 16 Jahren, erzählt er im Rückblick auf die Anfänge der Holzheimer Ruanda-Hilfe, sei in Birembo "nichts außer einem blanken Hügel" gewesen. Ein Bild, das sich inzwischen deutlich verändert hat: Birembo hat heute nicht nur elektrisches Licht, einen Brunnen und eine Schule mit 17 Klassenräumen, sondern aucn ein eigenes Gesundheitszentrum. Entwicklungsfortschritte, die dafür sorgen, dass Holzheims Partnergemeinde neben seinen 7.000 Einwohnern weitere 5.000 Menschen aus dem Umland versorgt.
Erst vor sechs Wochen wurden im Gesundheitszentrum fünf neue Räume eröffnet, weil die Nachfrage ständig wächst. Der Arzt kommt zwei Mal pro Woche - und ist für insgesamt 247.000 Menschen zuständig. Aus europäischer Sicht eine kaum vorstellbare Dimension.
"Zu tun gibt es immer was", beschreibt Helmut Weimar denn auch die Situation in Birembo. Zusammen mit Manfred Nickel vom Arbeitskreis Aartalbahn kam der Holzheimer Altbürgermeister deshalb auf die Idee, anläßlich der Kirmes die Sammelaktion mit den Draisinenfahrten ins Leben zu rufen. Ursprünglich sollte das Geld einer Außenschule in Birembo zugute kommen. Doch kurz vor der Kirmes erreichte Helmut Weimar ein anderer Notruf aus Ruanda: Nun kommt das Geld zwei Aids-kranken Waisenkindern zugute. Ihre Mutter war eine Mitarbeiterin des Gesundheitszentrums in Birembo. Nach dem Tod der Mutter brauchen die fünf und sieben Jahre alten Kinder aufgrund ihrer Aids-Erkrankung monatlich rund 30 Euro fuer Nahrungsergänzungsmittel.
Mit Helmut Weimar und
seinem Nachfolger Werner Dittmar
sauste die Draisine für den
guten Zweck über die
Strecke der Aartalbahn.
Kollekte für die Schule
Das Projekt Außenschule konnte am Kirmeswochenende ebenfalls weiter vorangetrieben werden. Die Kollekte des Kirmesgottesdienstes soll die Schule unterstützen.
Auch die Deutsche Botschaft, das Land Rheinland-Pfalz und das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" haben dafür ihre Unterstützung zugesagt.
"Diese Außenschule ist für Birembo enorm wichtig", erklärt Helmut Weimar.
Der Grund: Für viele Kinder ist der Schulweg momentan bis zu 15 Kilometer lang. Die Außenschule soll diese Situation verbessern und langfristig dazu führen, dass mehr Kinder das Bildungsangebot wahrnehmen.
Bericht: Stefanie Rüggeberg
Quelle: RLZ v. 20.09.2004





