Ortsgemeinde Holzheim

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Eine Gespensternacht auf der Ardeck

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Die Burg Ardeck stand im Ruf, einen Gespensterspuk in ihren Mauern zu bergen.

Folgende Sage war über sie im Umlauf:

Um die mitternächtliche Stunde steigt auf der luftigen Höhe, wo die Trümmer der Burg stehen, ein glänzend erleuchtetes Schloss empor, aus dem wilder Gesang und lauter Becherklang schaurig durch die Nacht schallt. Plötzlich oeffnet sich das schwere Tor, ein schwarzer Wagen fährt über die Zugbrücke, unheimliche Gestalten grinsen aus dem Geisterfuhrwerk, wie ein Sturmwind faehrt es auf der Straße nach Limburg dahin.

Die verschlossenen Stadttore springen auf, durch die Fleischergasse rasselt das gespenstische Fuhrwerk den Burgberg hinan, dann saust es wieder zurück zu der Geisterburg. Kettengeklirr vermischt sich mit dem Rollen der Räder, und Feuerflammen brechen aus den Speichen hervor.

Einst wanderte ein Diezer Buerger durch die kalte Herbstnacht von Limburg heimwärts. Da kam aus der Ferne ein stolzes Gefährt herangesprengt. Es war der Ardecker Geisterwagen, den der nächtliche Wanderer für die Postkutsche hielt.

Da er den Postillon gut kannte, rief er: "Wilhelm, nimm mich mit!" Der Wagen hielt einen Augenblick an, der Wanderer stieg auf, dann jagten die Rappen wieder davon. Wie im Flug schwanden Wiesen und Wälder.

Mit kräftigem Ruck hielt plötzlich das Gefährt in einem hell erleuchteten Burghof. Vier alte Kapuziner mit langen Baerten stiegen aus. Geschäftige Diener eilten mit Fackeln herbei und geleiteten sie in einen prächtigen Saal. Ritter und Edelfrauen in seltsamer Gewandung saßen schon an reich gedeckten Tischen. Ernst und bleich war ihr Antlitz, Totenstille herrschte ringsum.

Schweigend und zitternd vor Angst war der Diezer den Dienern in den Saal gefolgt. Er fragte, wo er sei, doch gab ihm niemand Antwort. Man winkte ihm, sich zum Mahle zu setzen. Kein Bissen kam über seine Zunge. Entsetzt flüsterte er: "Gott wolle mich gnädig beschützen!" Noch sah er, wie alle Gestalten im Nebel zerflossen, noch fühlte er, wie der Boden unter seinen Füßen wich und kalter Wind ihm fröstelnd durch Mark und Bein drang, dann fiel er in eine tiefe Ohnmacht.

Als er am Morgen erwachte, sah er, dass er hoch oben auf den Trümmern der Burg Ardeck lag.

Diese gruselige Geschichte wollte der Diezer Bürger Anton Seipel, ein ehrsamer Bierbrauer und Branntweinbrenner, erlebt haben.

In den Weihnachtstagen des Jahres 1750 erzählte man sie sich überall, nicht nur in der Stadt Diez, sondern in der ganzen Grafschaft. Schließlich erfuhr auch der Magistrat von Diez davon und um die Sache aufzuklären, erschienen am 8. Februar 1751 der Amtmann Eberhard, der Bürgermeister Fritz und die beiden Gerichtsschöffen Schepp und Schlumpf in der Wohnung des Anton Seipel, wo sein Bericht über sein nächtliches Abenteuer zu Protokoll genommen wurde.

Seipel war infolge des ausgestandenen Schreckens schwer erkrankt gewesen, befand sich aber jetzt auf dem Wege der Besserung. Er beteuerte die Wahrheit seiner Angaben durch Handschlag an Eidesstatt.

Am nächsten Tage erschien der Amtmann wieder, und zwar diesmal allein bei Seipel, und durch allerlei geschickt gestellte Fragen entlockte er ihm ein Geständnis, durch das der Vorfall ein ganz anderes Aussehen erhielt. Es stellte sich nämlich heraus, dass Seipel, nachdem er in Steinbach eine Kuh vorteilhaft verkauft hatte, in Limburg in fideler Gesellschaft des guten zuviel getan hatte, dass er auf dem Heimweg beim Siechenhaus von der Landstraße abgeirrt und nach der Ruine Ardeck gekommen war, wo er seinen Rausch ausgeschlafen und, da es bitter kalt gewesen war, sich eine schwere Erkältung zugezogen hatte.

 

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