Ortsgemeinde Holzheim

Rhein-Lahn-Kreis

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Bewohner

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Während wir über die Besitzverhältnisse der Burg Ardeck recht gut unterrichtet sind, so fehlen uns doch ausführliche Nachrichten über ihre Bewohner.

Einen guten Überblick bietet H. Gensicke in seinem Aufsatz "Zur Geschichte des nassauischen Adels. Die von Diez", desgleichen Robert Pauly in der Festschrift "1200 Jahre Holzheim, Beiträge zur 1200-jährigen Geschichte des Dorfes", der sich seinerseits wieder auf Veröffentlichungen von Hermann Heck "Burg Ardeck und ihre Geschichte, in Diezer Heimatblätter, 13. Jahrgang, Nr.1, Seiten 4 ff" bezieht.

J.M. Humbracht stellt die Adeligen von Diez, "die man zuletzt meist Herren von Ardeck nennt,... in einer Stammfolge vor, die im Jahr 610 lückenlos einsetzt, aber erst für die Zeit nach 1600 völlig zuverlässige Nachrichten bietet."

Gesichert gilt, dass die Ardeck als neue Burg 1395 erbaut wurde und Landesburg der Grafschaft Diez war.

Am 8. August 1467 erhielt "Dietrich von Diez aus einer niederadligen Familie, die zu den Burgmannen von Diez gehörte und das Erbmarschallamt der Grafschaft Diez inne hatte, von den Herren der Grafschaft Diez die Burg Ardeck zu Lehen."

Dietrich von Diez hatte durch eine reiche Heirat mit Benigna von Heringen dieses Burglehen erlangt, zu dem dann noch Holz, Fischerei, Wächtergeld aus Flacht, Niederneisen, Holzheim und Heuchelheim, Weingärten und Gärten bei der Ardeck gehörten. In Heuchelheim besaß Dietrich von Diez einen Hof von 128,5 Morgen Land (Äcker und Wiesen). Die Burg Ardeck war nun lange der Hauptsitz der Familie des Dietrich von Diez.

Weitere Belehnungen von Angehörigen sind für die Jahre 1487, 1589 und 1624 bezeugt. Dietrichs ältester Sohn Otto von Diez (1484 - 1510), der nächste urkundlich belegte Bewohner der Burg, verheiratet mit Clara von Langenau, vergrößerte das Besitztum. Er kaufte den Hof, den das Kloster Dierstein in Holzheim besaß. Er wurde als Adelsgut 1485 von Graf Johann von Nassau-Dillenburg von allen Abgaben befreit.

Die Diezer Chronik berichtet:

Auszug aus der Diezer Chronik Emmerich (1511 - 1577), ein Sohn von Otto, baute zu dem Hofgut, das sein Vater von Kloster Dierstein erworben hatte, ein weiteres Hofhaus mit einer Scheune vor der Ardeck.

Nach dem Tod Emmerichs 1577 kam es zu langwierigen Erbstreitigkeiten zwischen seiner Witwe Ursula Kessel von Bergen, der die Ardeck als Witwengut zugefallen war, und den Verwandten Emmerichs.

Emmerich hatte keine Kinder.

Seine Witwe Ursula heiratete 1577 Gottfried von Nassau zu Camberg, einen unebenbürtigen Bruder des Prinzen Wilhelm von Oranien.

1570 wird Junker Walter von Diez als Bewohner der Burg Ardeck erwähnt.

Bei Steubing erfahren wir von ihm: "1570 lebte der Junker Walter von Dietz mit seiner Köchin in öffentlicher Hurerey."

Er war von der Kirchenvisitations-Commision vorgefordert worden, aber nicht erschienen. Graf Johann von Dillenburg resolvierte (d.h. beschloß) darauf, "daß die Hure des Landes verwiesen und der Junker ohne Nachsicht 200 Rthlr. zu erlegen angehalten werden solle."

Bei der Hure handelte es sich um Margaretha von Fachingen.

Gemälde Als Junker Walter starb und in der Diezer Stiftskirche beerdigt werden sollte, hat der damalige Diezer Inspektor Wekkardt von der Kanzel herab den Lebenswandel des Verstorbenen mit scharfen Worten verdammt und dabei unter anderem den Ausdruck gebraucht: "Sie haben mir da einen Teufelsbraten hergebracht!"

 

In der Limburger Chronik des Johann Mechtel wird für das Jahr 1609 ein Hofmann Lentz als Bewohner der Ardeck erwähnt:

Auszug aus der Limburger Chronik

1627, während der Drangsale des Dreißigjaehrigen Krieges, besetzte der Landrettungsausschuß die Ardeck.

Graf Johann Ludwig von Hadamar, der seinem Bruder Generalfeldmarschall Ernst Casimir versprochen hatte, sich um die Grafschaft Diez zu kümmern, da Ernst Casimir sich wieder nach den Niederlanden begeben hatte, um den Prinzen von Oranien zu unterstützen, ließ im April / Mai 1619 diese Landwehr aufstellen, um die Grafschaft Diez zu schützen.

Zusätzlich zu den Plünderungen, Zerstörungen und Grausamkeiten des Dreißigjaehrigen Krieges verheerten Pestepidemien in kurzen Abständen das Land. So brach im Juli 1635 auch in Diez die Pest aus.

Als im September zwei Pesterkrankungen auf dem Schloß auftraten, verlegte Sophie Hedwig ihren Wohnsitz nach Hahnstätten. Ihr Amtmann Naurath begab sich mit den übrigen Beamten auf die Ardeck.

Als im Dezember die Seuche abgeklungen war, zog der Hof von Hahnstätten und Schloß Ardeck wieder nach Diez zurueck.

Fast 500 Leute waren in Diez gestorben.

So endete das Jahr 1635 für viele Diezer Familien, darunter auch für die des vielgeprüften Amtmanns Naurath, mit Trauer. Seine Angehörigen hatten allein fünf Tote in diesem Jahr zu Grabe geleitet, darunter Nauraths Frau Christina geb. Hornberger. Obwohl Amtmann Naurath nur vier Monate auf der Ardeck wohnte, sind wir aufgrund seiner Position in der Grafschaft über sein Leben und Wirken gut unterrichtet.

Er ist der einzige Bewohner der Ardeck, von dem wir ein Bild besitzen.

Waehrend seines Aufenthalts auf der Burg wird er den Bewohnern Holzheims wahrscheinlich nicht sehr willkommen gewesen sein. Dies geht auf eine Anordnung des Amtmanns zur Pestbekaempfung im Jahr 1634 zurück.

Als die Seuche seit Ende 1633 die Dörfer auf der Aar entvölkerte, befahl er, die Angehörigen ohne das sonst übliche Zeremoniell zu bestatten und Pestkranke "aus den Heußern pringen zu lassen".

Der Befehl bezüglich der Bestattung lautete: "Bey Sterbenleufften sollen jedes Orths Gemeinden dahien bedacht sein, bei ihren Capellen oder sonsten gelegenen Ohrtten einen Platz zu errichten, damitt ihre ahn dießer Schwerheit absterbende Nachbahrn, biß auff verhoffte Beßerung, dasselben zur Erden bestattet werden moechten, so sollen in dießer Gravschafft ahn underschiedenen Ohrtten soche absonderliche Kirchhöff auch von neuem angerichtet werden, als hinder S. Petersberg, zu Staffel, Flacht und sonsten."

Dies stieß in den betroffenen Orten auf Widerstand. Besonders die Bewohner Holzheims weigerten sich, der Anordnung zu folgen, es kam zu einer Empörung. Sie weigerten sich, ihre Toten herauszugeben, und wollten sie nicht, "alß wenn sie keine Christen weren", verscharren.

Als Naurath den Holzheimern mit Gewalt und Strafen drohte, wandten sie sich mit einer Beschwerde an Sophie Hedwig. Diese entschied den Streitfall gegen die Holzheimer, sie mußten sich dem fügen.

Bei der Renovierung der Flachter Kirche 1968 fand man auf dem alten Friedhof ein Massengrab, das wahrscheinlich aus dieser Zeit stammt

Amtmann NaurathDr. Martin Naurath
Oelgemälde eines unbekannten Malers im nassauischen Heimatmuseum Schloß Diez
(Foto: Fred Storto, Diez)

Als Amtmann Naurath am 6. September 1637 in Dillenburg starb, wohin er sich zu seinem Sohne begeben hatte, verlor Sophie Hedwig ihren getreuesten Ratgeber und Diener in der schwersten Zeit der Grafschaft.

Vom 27. April 1617 bis zum 6. September 1637 hatte er den Posten eines Amtmanns und Befehlshabers inne, zunächst unter Graf Ernst Casimir und während der Zeit von 1632 bis 1637 für seine Landesherrin Gräfin Sophie Hedwig.

Sie betrauert seinen Tod, bis Anfang 1641 blieb seine Stelle unbesetzt, bis die Gräfin einen Nachfolger gefunden hatte.

Nach dem Tod Nauraths schrieb sie an ihren Schwager: "Dr. Naurath ist... auß dieser betrübten Welt geschieden, hette wohl leiden mögen, das er das Leben noch lenger hette mögen behalten, aber Gottes Wille muß fürgehen, der wolle mich wieder an einen ehrlichen Mann helffen."

Während der ersten Januartage 1640 hatte der Oberbefehlshaber des Weimarischen Heeres, der Herzog von Longueville, sein Hauptquartier auf der Ardeck.

Am 9. Januar plünderten seine Truppen Limburg und brennen Frickhofen und Dehrn nieder.

1655 ist Adam Friedrich Achatz (20.9.1644 - 26.3.1703), der Sohn von Johann Heinrich von Diez, als Bewohner der Ardeck belegt.

Sein Sohn Philipp Adam, Freiherr von Diez, Herr zu Ardeck wird im Zusammenhang mit einer Taufe auf Ardeck erwähnt. Er war in zweiter Ehe mit N. von Dieregg verheiratet.

Zwei Kinder aus dieser Ehe werden auf der Ardeck geboren, das erste Kind taufte dort ein Mönch aus Limburg nach katholischem Ritus in der Kapelle der Burg Ardeck, das zweite Kind taufte der reformierte Pfarrer zu Flacht.

Wegen der katholischen Taufe wurde er 1704 von der Fürstin Amalie von Nassau-Diez zu einer Strafe von 50 Reichstalern belegt. Da er die Strafe nicht bezahlen konnte, wurde sie ihm nach längeren Verhandlungen, bei denen der Fürst von Hadamar vermittelte, schließlich erlassen.

1727 sterben die Adeligen von Diez, Erbmarschaelle der Grafschaft Diez, die Besitzer der Burg Ardeck, aus.

Als 1727 die Ardeck wieder an Nassau-Diez zurückfiel, behielt Philipp Adams Tochter Charlotte den Ardecker Hof und erweiterte ihn mit dem Land des 1536 vom Kloster Bärbach erworbenen Hofes.

 

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