
Da der Transport der Baumaterialien für den mittelalterlichen Baubetrieb eine sehr aufwändige und kostspielige Angelegenheit war, benutzte man vorzugsweise die am Ort vorkommenden Materialien.
Das läßt sich auch sehr gut an den Bauausführungen der Burg Ardeck nachweisen.
Die Umfassungsmauern, die Schildmauer und der Bergfried sind aus Bruchsteinmauerwerk, das Material wurde vorzugsweise aus dem Burgfelsen gebrochen, was man heute noch besonders deutlich an den zur Aar abfallenden Felspartien erkennen kann.
Hierbei handelt es sich um Porphyr, vereinzelt auch um Diabas.
C. E. Stifft gibt in seiner "Geognostischen Beschreibung des Herzogthums Nassau" einen geologischen Ueberblick:
"Bei der Holzheimer Mühle wechselt der Schalstein mit einem Schieferlager, das von Mandelstein überdeckt wird. Im Schiefer trifft man einen, in Bänken von 1/2 bis 2 1/2 Fuss Mächtigkeit gelagerten, schwärzlich-grauen und gräulich-schwarzen, dichten Kalkstein . . ."
Auch diese Gesteinsarten finden wir als Baumaterial. Außerdem wurden an einigen Stellen auch Basaltsäulen verarbeitet, wie beim Mauerfries und bei der Decke des Aufgangs zur Schildmauer und beim Gußerker über dem Eingangstor.
Die statische Verbindung der Schildmauer mit der Ringmauer wird an der Nordwest-Seite durch sieben große Kalksteinplatten hergstellt, die im Abstand von 1,10 Meter in die Mauerkante eingebaut sind.
Zum Transport der Baumaterialien benutzte man im Mittelalter vierrädrige Blockwagen oder zweirädrige Kippwagen, die von Pferden oder Ochsen gezogen wurden.
Das Bruchsteinmauerwerk der Ardeck besteht aus einer äußeren und inneren Wandschale, deren Kernfüllung mit kleinen Bruchsteinbrocken in reichlicher Kalkmörtelbindung ausgemauert ist. Zwischen den größeren Bruchsteinen ist lagenweise dünnlagiges Steinmaterial eingebaut.
Besonders sorgfältig sind die Bogenfriese unter dem Wehrgang gestaltet, bei denen man vorzugsweise Schiefer- und Kalkplatten verwendet hat.
Sowohl an der Außen- als auch an der Innenwand der Ardeck sind noch die Rüstlöcher der Baugerüste im Mauerwerk erhalten.
Nach Binding / Nussbaum, "Mittelalterlicher Baubetrieb" waren seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts bis zu den achtziger Jahren des 14. Jahrhunderts Auslegergerüste üblich, zu denen dann die Stangengerüste kamen.
"Auslegergerüste" oder "fliegende bzw. schwebende" Gerüste sind ... die gängige Gerüstbauweise im Mittelalter . . .
Die Gerüstbohlen oder auch Flechtwerke liegen auf waagerechten Auslegern, runde halbierte oder geviertelte Rundhölzer, die auf die Maueroberkante aufgelegt und im Baufortgang eingemauert werden;
sie werden mittels Bügen und Spreizen von unten dreiecksmäßig gegen die Mauer abgestützt;
für den unteren Aufsatz der Bügen können die Löcher der entfernten vorhergehenden Reihe der Ausleger dienen."
Beim Bau des Bergfrieds wurde wahrscheinlich fuer den Transport des Baumaterials ein einfacher Aufzug benutzt.
Kies, Sand und Lehm konnten in der Gemarkung "Am Burggraben" gewonnen werden. Holz lieferten die umliegenden Waldungen, Kalk wurde als Brandkalk angeliefert, vor Ort gelöscht und verarbeitet, das Wasser zur Baustelle transportiert.

Das Mauerwerk der Burg war sowohl auf der Außenseite als auch auf der Innenseite verputzt.
Am Außenmauerwerk ist der Kalkmörtelputz an einigen Stellen noch großflächig erhalten, was für die Güte des verwendeten Materials und die handwerkliche Qualität spricht.
Bei dem Außenputz handelt es sich um sogenannten "Berapp", darunter versteht man hier grobkörnigen Kalkmörtel, der angeworfen und dann zum Teil wieder mit der Kelle weggenommen wird.
Dabei treten dann die Sichtflächen des Bruchsteinmauerwerks wieder hervor.
Der Innenputz besteht an einigen Fensternischen aus einem feinsandigen Kalkputz, an anderen Fensternischen aus einem noch erhaltenen Lehmmörtel.

An den Innenwaenden des Bergfrieds ist der Lehmputz fast noch vollständig erhalten, teilweise sogar noch mit dem Kalkanstrich. Bei den Lehmputzen handelt es sich um sogenannten Strohlehmputz, wie er vom Mittelalter bis in die Neuzeit üblich war.
Die Strohanteile sind an einigen Stellen sichtbar und bestehen aus zerfasertem, kleingeschnittenem Roggenstroh, das dem Putz eine gute Haftfähigkeit verleiht und verhindert, daß er reißt.
Insgesamt waren am Bau der Burg Ardeck bei den Bauverhältnissen des Mittelalters wahrscheinlich mehr als 100 Personen ueber einen längeren Zeitraum (ca. 2-3 Jahre) beschäftigt.





