Landesbetrieb Mobilität stellte fünf Varianten für die Aarumgehung vor / Großes Interesse in der Bevölkerung
Gleich, welche von fünf Trassenvarianten für die Aarumgehung bei Niederneisen und Flacht auch favorisiert wird, die Vor- und Nachteile denkbarer Linienführungen heben sich gegenseitig auf. Die Kosten für das Projekt bewegen sich zwischen 15 und 50 Millionen Euro, und der Zeitplan ist vollkommen unklar.
Inmitten von Bürgern, Interessenten
und Bürgerinitiativen saß Volker Satony,
Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hahnstätten.
Flacht. Aar, Bahn, Hanglage, Wohnbebauung, Natur- und Umweltschutz . . . Wenn denn die interessierten Zuhörer nach mehr als zweieinhalbstündiger Information aus der voll besetzten Aartalhalle in Flacht eine Gewissheit über die von einer Mehrheit dringend gewünschte Umgehung mitgenommen haben, dann die: Die Planer vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) stehen in einem schwierigen Planungsraum vor einer echten Konfliktlage und werden bei der Suche nach einem Kompromiss keine Lösung finden, die allen Interessen gerecht wird. Eine Leitlinie formulierte Ortsbürgermeister Karl Werner Jüngst dennoch: «Wo der Mensch geschützt werden soll, muss der Mensch auch oberstes Schutzgut sein.» Gemeinsam solle nach einer Lösung gesucht werden, die die benachbarten Orte Holzheim und Oberneisen einbeziehe.
Fünf mögliche Trassen stellte LBM-Leiter Heinz-Peter Uhrmacher in der Bürgerversammlung vor. Alle acht Meter breiten Strecken beginnen etwa 120 Meter südlich der Einmündung in die L 319 bei Holzheim, enden 400 Meter entfernt von der Kreuzung B 54 und K 58 und umgehen die Ortschaften auf der Seite von Aar und Bahn. Eine westliche Umfahrung der Orte, wie in der Versammlung angeregt, kommt nicht in Frage, weil mit der Trasse zu weit ausgeholt werden müsste.
Landesbetrieb Mobilität stellte fünf Varianten für die Aarumgehung vor / Großes Interesse in der Bevölkerung
Variante I: Eine ortsnahe Umgehung von Niederneisen (siehe Karte) wäre mit 3,2 Kilometern Länge die drittkürzeste Strecke, dem geringen Aufwand für Lärmschutzmaßnahmen ständen aber lange Talbrücken und eine erhebliche Beeinträchtigung von Natur und Landschaft gegenüber.Variante II würde in Niederneisen zwischen der Wohnbebauung verlaufen, die Ortschaft trennen, umfangreichen Lärmschutz und lange Talbrücken erfordern. Die mit 3,1 Kilometern zweitkürzeste Trasse sieht nur geringe Massenbewegungen vor, ein Trogbauwerk erhöht aber die Kosten.
Variante III: Hier würde die Ortsumgehung auf der Bahnlinie verlaufen, was eine Verlegung des Schienenstrangs auf einer Länge von 2,256 Kilometern zur Folge hätte. Bei kurzen Talbrücken müssten zwei Überquerungen gebaut werden. Variante III wäre mit 3,06 Kilometern die kürzeste Strecke. Dennoch würde die Ortschaft getrennt und der Lärmschutzaufwand erheblich.
Eine Untervariante sieht einen Verlauf der Umgehung parallel zur Bahn vor. Damit würde in Flacht ein größerer Abstand zur Wohnbebauung erreicht.
Variante IV: Bei dieser ortsfernen Version führt die Umgehung in einem weiten Bogen um Niederneisen. Die mit 3,7 Kilometern längste Trasse würde ein langes Brückenbauwerk und durch die Steigungen Zusatzspuren erforderlich machen. Geringen Lärmschutzmaßnahmen stände ein deutlicher Eingriff in Natur- und Landschaft gegenüber.
Variante V: Ein Tunnel zwischen der Bebauung macht diese Lösung zu einer attraktiven Variante für die Anwohner, die mit 3,1 Kilometer Länge zweitkürzeste Strecke aber wäre durch eine 180 Meter lange Brücke, Verlegung der Aar (80 Meter) und nötigen Grundwasserwannen die teuerste Maßnahme.
Je nach Trasse, für die jeweils nur Korridore, aber noch keine genauen Linienführungen aufgezeigt wurden und deren vorläufige Untersuchungsergebnisse noch Optimierungspotenzial bieten, wäre ein Flächenbedarf von 8,4 bis 12,45 Hektar fällig. Unterm Strich steht auch hinsichtlich der Umweltverträglichkeit das Ergebnis: Es gibt keine eindeutige Präferenz für eine Strecke. Bei Berücksichtigung der Schutzgüter Mensch, Tier, Pflanzen, Boden, Grundwasser, Klima und ihre Wechselwirkungen heben sich in den Vor- und Nachteilen gegenseitig auf. Das 435 Hektar große Gelände besteht aus einem Nutzungsmosaik mit hochwertigen Bereichen, Naherholungsfunktion und streng geschützten Populationen.
Dennoch ließen die Planer die Zuhörer wissen: Die Umgehung bringt eine deutliche Entlastungswirkung für beide Ortschaften. Wo allerdings durch die sogenannten Talvarianten Anwohner entlastet werden, kommt es an anderer Stelle zu Belastungen . . . hbw
Quelle: http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.6885320.de_1.htm





