Simulation Verein „Ja zur Aar“ führt Anwohnern Belastung durch mögliche Umgehungsstraße vor
Niederneisen. Der Verein „Ja zur Aar“ hat in einer eindrucksvollen Demonstration an verschiedenen Stellen der ortsfernen Variante IV der Aarumgehung den zu erwartenden Verkehrslärm simuliert. Die Beschallung erfolgte mithilfe einer Geräuschanlage und eines Schalldruckmessgeräts jeweils eine Stunde an der Bahnbrücke zwischen Oberneisen und Niederneisen, im Feld oberhalb des Wohngebietes „Auf der Eich“ in Niederneisen, in der Nähe des Marmorwerks in Flacht und in Holzheim in Höhe des Sportplatzes.
„Ja zur Aar“ hatte diese Variante IV für die Simulation ausgewählt, da sie von den Befürwortern der Umgehung als realisierbar eingestuft worden ist (die RLZ berichtete).
„Ja zur Aar“ ist gegen alle vom Landesbetrieb Mobilität erstellten Varianten und machte mit der Aktion den Anwohnern den zu erwartenden Lärm beim Bau einer neuen Trasse hörbar.
Besonders die Anwohner im Wohngebiet „Auf der Eich“ in Niederneisen staunten, als der zunächst undefinierbare Lärm überraschend die Ruhe störte. „Ich dachte, da bläst jemand vor unserer Haustür einen Heißluftballon auf“, meinte eine Frau.
Eine andere Familie berichtete, dass sie bislang nicht gewusst habe, dass eine Umgehung geplant ist und dass diese an ihrem neu erworbenen Haus vorbeiführen soll.
Die Anwohner zeigten sich von der Beschallung verunsichert bis entsetzt, denn die ortsferne Umgehungsvariante IV führt von Oberneisen kommend über die Anhöhe direkt an den abschließenden Häuserreihen entlang.
„Wir haben den zu erwartenden Verkehrslärm mit einem Schalldruckmessgerät anhand der zulässigen Lärmgrenze für Wohn- und Mischgebiete ermittelt und die Beschallung anhand dieser Grenzwertvorgaben ausgerichtet. Dabei mussten wir, bedingt durch die Leistungsfähigkeit der Anlage, noch vier Dezibel unter der zulässigen Grenze bleiben“, erklärt Barbara Benke, die Vorsitzende von „Ja zur Aar“.
„Uns geht es bei dieser Aktion darum, dass wir den Anwohnern demonstrieren, was sie beim Bau einer ortsfernen Variante IV erwartet“, so Benke. Denn sowohl Niederneisen als auch Flacht und der Ortsanfang von Holzheim müssten bei einer auf Dammaufschüttungen und Brücken verlaufenden Trasse einen deutlichen Anstieg von Lärm, Schmutz und Verkehrsaufkommen hinnehmen.
„Zum anderen gibt die Beschallung auch eine Vorstellung darüber, was an der Aarstrecke aktuell an Lärmbelastung gegeben ist, die durch relativ einfache Maßnahmen zumindest reduziert werden könnte“, führt Benke an.
Der Verein ist überzeugt, dass durch alle Varianten der Ortsumgehung eine Verkehrs- und Lärmentlastung ins Tal gebracht wird.
„Auch eine Variante IV, die derzeit häufig im Gespräch ist, wird schnelleren und stärkeren Verkehr auf die Strecke ziehen. Wobei Gutachten belegen, dass ortsferne Umgehungen vom ansässigen Ziel-, Quell- oder Individualverkehr in der Regel nicht angenommen werden und deshalb auch meist sehr schnell wieder aus den Planungen herausfallen“, betont die Vorsitzende.
Ein Großteil des aktuellen Verkehrs würde auf der heutigen Strecke bleiben. Auch eine Entlastung des Schwerlastverkehrs würde sich in Grenzen halten.
„Wir halten eine Umgehung für unsere Region nach wie vor für schlecht. Eine Umgehung, die mehr schadet als nützt, kann keine Lösung sein“, sagt Benke abschließend. up
Quelle: RZ v. 19.08.2011 - Seite 21
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