Flacht und Niederneisen äußern sich zu Varianten der Aarumgehung
Mit Spannung wurden die beiden Ratssitzungen in Flacht und Niederneisen erwartet. Beide Gremien hatten die Aarumgehung auf der Tagesordnung, und beide definierten ihre Haltung zu den vom Landesbetrieb Mobltität vorgestellten Varianten.
Niederneisen/Flacht. Die Gemeinden Niedemeisen und Flacht akzeptieren nur die vom Landesbetrieb Mobilität vorgestellten teureren Varianten V und VI zur Aarumgehung (Tunnel-Troglösung). Zwar könnten die anderen Trassen noch zu Planungszwecken weiterverfolgt werden, doch lehnen die Gemeinden die günstigeren Varianten I bis IV ab, da sie zu große Einschnitte in das Landschaftsbild nach sich ziehen würden.
In Niederneisen verlegte man die Sitzung kurzfristig in das Gasthaus "Zur Linde", da Einwohner ihr Interesse an dem Treffen bekundet hatten. 20 Bürger waren gekommen. Vor der Diskussion über die aktuelle Situation stellte Ortsbürgermeister Karl Wemer Jüngst noch einmal die einzelnen Trassen vor.
Nur Troglösung möglich
Er erinnerte in der historischen Betrachtung an die Mitte der 9Oer-Jahre gefertigten Gutachten einer Fachhochschule und an die Planungen eines von den Ortsgemeinden Flacht und Niederneisen im Zusammenwirken mit der Verbandsgemeinde beauftragen Ingenieurbüros. Schon damals sei eine Trassenführung in der Gemarkung Niederneisen mit einer abgedeckten Troglösung als einzig durchsetzbare Lösung erarbeitet worden.
Jüngst betonte, dass die jetzige Verkehrssituation auf der B 54 für die Anlieger nicht hinnehmbar ist. Es komme hinzu, dass durch ein hohes Verkehrsaufkommen die Straße für ältere Menschen und für Kinder kaum zu überqueren sei. "lch halte es für fraglich, ob bei der Länge der Ortsdurchfahrt durch verkehrsregelnde Maßnahmen eine Verbesseung möglich ist. Sicher ist jedoch, dass dadurch kein einziges Auto weniger auf der B54 fährt", so Jüngst.
Weiter erörterte er die planerischen Verfahrensschritte. Zurzelt befinde man sich am Ende der ersten Umweltverträglichkeitsprüfung. Dem folge die zweite Umweltverträglichkeitsprüfung, bevor anschließend das Raumordnungsverfahren und das Trassenbestimmungsverfahren beginnen. Erst nach Erledigung dieser Verfahrensschritte könne ein Planfeststellungsverfahren vorgenommen werden.
Dieses Verfahren werde sich erfahrungsgemäß über mehrere Jahre hinziehen. Das Baurecht sei daher frühestens in einem Zeitraum von vier Jahren möglich, was aus Sicht der Befürworter sicherlich keine befriedigende Aussicht sei.
"Das Baurecht bedeutet aber nicht gleich einen Baubeginn. Zunächst muss im Bundeshaushalt eine Finanzierung des Projektes erreicht werden. Die Spekulationen, dass 2013 oder 2014 bereits die Bagger anrücken, entbehren daher einer realistischen Grundlage", betonte Jüngst. Er machte deutlich, dass durch die Topografie des Aartals eine Entlastung der jetzigen 854 ohne einen belastenden Eingriff in Form der Umgehung nicht möglich sei:"Die Gemeinde Niederneisen hat mit Beginn der Planungen die These vertreten, dass dieser Eingriff in die Landschaft im Sinne der Menschen so gering wie möglich ausfallen muss."
An alle Einwohner appellierte er, untereinander einen respektvollen Umgang zum Thema Umgehung zu pflegen. Die Stellungmahme der Gemeinde wurde im Rat einstimmig verabschiedet.
Kosten reduzieren
Ähnlich die Situation in Flacht:
Dort traf sich der Rat im Bürgerhaus, um ebenfalls über den Fortgang der Planung zu beraten. Bei einer Enthaltung stimmte man für eine Stellungnahme der Gemeinde, die ebenfalls nur eine Realisierung der Varianten V und VI für akzeptabel hält.
"Wir wollen die Umgehung", betonte Ortsbürgermeister Thomas Scheid. Sie sei für die künftige Dorfentwicklung wichtig. Für die weitere Planung müssten die Kosten für die beiden akzeptablen Trassen reduziert werden.
"Außerdem halten wirfür denVerlauf derTrassen zwischen Flacht und Holzheim eine Überquerung der Aar und eine Unterquerung der Bahnlinie für sinnvoll", so Scheid. Er betonte weiter, dass die Verkehrsentlastung nicht um jeden Preis vorgenommen werden soll,
"Die Umgehung muss mit den geringsten Einschnitten in das LandschaJtsbild verwirklicht werden", so der Flachter Ortsbürgermeister abschließend.
In den kommenden Wochen steht das Thema "Aarumgehung" auch auf der Tagesordnung der Ratssitzungen in den beiden angrenzenden Gemeinden Holzheim und Oberneisen.
Uli Pohl
Quelle: RZ Nr. 211 v. 11.09.2010 - Seite 19
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