Militär - Mit der Vereidigung von Rekruten endet eine große Tradition in der Grafenstadt
Von RZ-Redakteur Andreas Galonska
Diez. Der langsame Abschied von einem traditionsreichen Standort wurde jetzt auf dem Gelände der Diezer Freiherr-vom-Stein-Kaserne eingeläutet. Nachdem kürzlich bekannt wurde, dass die Kaserne in wenigen Jahren geschlossen wird, haben viele Besucher das letzte Gelöbnis mit Wehmut gefeiert. 58 Rekruten des Nachschubbataillons 462 legten den Eid auf die Verfassung ab. Sie wurden von rund 220 Familienangehörigen aus der ganzen Bundesrepublik begleitet. Abordnungen von 85 Soldaten würdigten den Höhepunkt der Grundausbildung durch ihre Anwesenheit. Ein Elternpaar hatte für die Teilnahme sogar den weiten Weg aus Berlin auf sich genommen. Vertreter aus Stadt und VG Diez oder aus den Partnergemeinden Holzheim und Altendiez haben an dem letzten Gelöbnis nicht teilgenommen.
Oberstleutnant Matthias Jozwiak, der neue Kommandeur des Nachschubbataillons 462, hielt bei seiner Ansprache zunächst fest, dass seine Einheit nach der Bundeswehrreform vermutlich Ende 2014 aufgelöst wird. „Heute ist Ihr ,großer Tag'“, meinte er mit Blick auf die Rekruten, bei denen es sich ausschließlich um Freiwillige handelte. „Mit Ihrem Gelöbnis werden Sie aufgenommen in die soldatische Gemeinschaft. Sie verpflichten sich zu Treue und Tapferkeit“, betonte der Kommandeur. Die jungen Männer und Frauen haben sich aus ganz unterschiedlichen Motiven heraus für den Dienst bei der Bundeswehr entschieden, führte er weiter aus.
„,Dienen' klingt heute für viele etwas altmodisch. Ich persönlich teile diese Bewertung nicht“, unterstrich der Oberstleutnant. Dienen setzte Überzeugungen und die Bereitschaft voraus, für Werte wie Demokratie, Freiheit, Rechtsstaat und politische Mitverantwortung einzutreten. „Ohne Dienst gibt es kein Gemeinwohl, ohne Dienst gibt es keine Solidarität“, so Matthias Jozwiak weiter. Der Oberstleutnant erklärte, dass zurzeit rund 7900 deutsche Soldaten – darunter auch Angehörige seines Verbandes – im Ausland eingesetzt sind. Dabei sei die Sicherung des Friedens das oberste Ziel der Außenpolitik, so der Kommandeur. „Ich möchte unsere Gedanken aber heute auch zu den Kameraden lenken, die im Dienst, im Einsatz und im Kampf ihr Leben gelassen haben oder – zum Teil leider auch schwer – verwundet wurden“, mahnte Matthias Jozwiak.
Mit einem Rückblick auf die Ausbildung machte er klar, dass die Kameradschaft eine besondere Rolle gespielt habe. „Sie haben dabei nicht gefragt, welchen Glauben, welche Herkunft, welche Schulausbildung Ihre Gruppenmitglieder haben“, unterstrich der Kommandeur. „,Soldat für den Frieden' kann nur der sein, wer selbst zu den Werten unseres Grundgesetzes steht, wer Achtung und Respekt vor den Menschen verschiedener Völker und ihrer Kulturen hat“, gab Oberstleutnant Jozwiak den Rekruten mit auf den Weg.
Rh.-Lahn-Ztg. Bad Ems vom Mittwoch, 7. Dezember 2011, Seite 24
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