Landrat Kern empfing Vertreter der Handwerkerschaft im Kreishaus
RHEIN-LAHN-KREIS. Schon Tradition ist die Gesprächsrunde, zu der Landrat Günter Kern auch in diesem Jahr wieder die Obermeister der im Rhein-Lahn-Kreis tätigen Handwerksinnungen ins Kreishaus in Bad Ems einlud.
Günter Kern, Landrat des
Rhein-Lahn-Kreises,
empfing die
Handwerks-Obermeister
zur Gesprächsrunde im
Kreishaus in Bad Ems.
So bildeten im diesem Jahr insbesondere die Ausbildungssituation sowie die wirtschaftliche Lage und die Kreditversorgung der Unternehmen, aber auch die Auswirkungen der demografischen Entwicklung die Schwerpunkte des Gesprächs.
Für die Kfz-Innung stellte deren stellvertretender Obermeister Andreas Pabst eine zunehmend schlechte Oualität der Lehrstellenbewerber fest, eine sinkende Zahl der Bewerber um Ausbildungsplätze und einen sich verschärfenden Konkurrenzkampf der Betriebe um geeignete Azubis.
Heinz Kugel, Obermeister der Bäckerinnung, informierte, dass für die Bäcker-Innung keine negativen Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu vezeichnen seien. Grundsätzlich seien die Betriebe selbst gefordert, sich durch engagiertes, zielorientiertes und begeisterndes Handeln im Konkurrenzkampfzu bewähren.
Der Obermeister der Baugewerksinnung, Harald Bär, führte für seine 30 Mitgliedsbetriebe aus, dass ein eher geringes lnteresse an Ausbildung auszumachen sei. Er bestätigte positive Effekte aus den Konjunkturpakten und kritisierte eine zurückhaltende Kreditierung von Handwerksbetrieben durch Banken und Sparkassen.
Für die lnstallateur- und Heizungsbauer- lnnung konstatierte Obermeister Dieter Hillingshäuser: "Wir sind gut durch 2009 gekommen." Die Auftragslage im Renovierungsbereich sei erfreulich. lm Neubau-Bereich hingegen gehe fast gar nichts mehr. Er kritisierte, dass Mitbewerber Leistungen zunehmend zu Dumpingpreisen anbieten und insofern kein Spielraum mehr gegeben sei, um attraktive Löhne im Handwerksbereich zahlen zu können. Entsprechend gering sei die Stellennachfrage und das lnteresse am Handwerk und an Gründungen im Rahmen einer Unternehmensnachfolge.
Auch die Betriebe der Fleischerinnung konnten sich, so Obermeister Wilfried Wagner, 2009 am Markt gut behaupten. Auch das "Wurstkolleg" auf der Marksburg sei ein toller Erfolg gewesen. Er lobte, dass die EU-Zulassung der lnnungsbetriebe von der Veterinärabteilung der Kreisverwaltung mit Augenmaß ümgesetzt worden sei. Wagner wie auch andere lnnungs-Obermeister rügten die mangelhafte Vorbereitung des Kreishandwerkertages 2009 durch die teilnehmenden Schulen.
Kern sagte deshalb zu, zur turnusmäßigen Schulleiterbesprechung im Kreishaus einen Vertreter der Kreishandwerkerschaft einzuladen, um diese Thematik zu erörtern und auf eine Verbesserung hinzuwirken.
Rainer Tiefenbach, Obermeister der Malerinnung, kritisierte die Konkurrenz von Hausmeister-Services, welche alles machten - vom Rasenmähen über Tapezieren, Malen bis zum Einbau von Fenstern - ohne über die handwerkliche Qualifikation zu verfügen.
Kern bat darum, konkret zu benennen, wenn öffentliche Verwaltungen den Hausmeisterservice statt heimischem Handwerksbetrieb engagierten.
Johannes Lauer, 0bermeister der Dachdeckerinnung, forderte von.Schullehrer und -lehrerinnen eine positive Einstellung zum Handwerk ein, die der Schülerschaft gegenüber engagiert vorgelebt werden müsse. Er regte an, seitens des Kreises darauf hinzuwirken, dass in den Lehrplänen der Realschule plus das Handwerk den gleichen Stellenwert erhält wie andere Berufssparten.
Diese Anregung will Kern ebenfalls im Rahmen einer Schulleiterbesprechung aufgreifen.
Für das Elektrohandwerk stellte Obermeister Dieter Pfaff die Bedeutung der regenerativen Energien für den Fortbestand der Elektrobetriebe dar.
ln diesem Zusammenhang wies Kern auf ein Gespräch mit lnnungsvertretern hin, in dem von der Wirtschaft sförderungsgesellschaft geplante "100-Dächer- Programm" vorgestellt wird.
Die Ausbildungsbereitschaft beurteilte Pfaff als zufriedenstellend: Von 39 lnnungsbetrieben bildeten 13 aus. Pfaff bat darum, das Problem "Schwarzarbeit" anzugehen, das oft unterschätzt werde. Kern verwies auf die Zuständigkeit der Ordnungsämter der Verbandsgemeinden bzw. der Stadt Lahnstein; er werde das Thema aber gerne im Bürgermeister-Arbeitskreis erörtern, brauche dazu aber seitens der Handwerksinnungen,, harte Fakten".
Für die Tischlerinnung blickte Obermeister Detlef Schwieck auf eine gemeinsame Werbeaktion 2009 von Tischlern und Malern im vergangenen Jahr zurück. Er beklagte Auftragseinbrüche im Sommer 2009. Abschließend dankte Kern den Vertretern der Kreishandwerkerschaft für das offene und konstruktive Gespräch. Kern: "lch bin mir sicher, dass durch solche Gespräche das Vertrauen zwischen Kreis und Handwerkerschaft weiter vertieft wird."
Quelle: Lahnpost vom 03.02.2010| < Zurück | Weiter > |
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