Holzheim genießt auch in Brüssel einen guten Ruf
Europaabgeordneter Norbert Neuser stuft die Ruandahilfe Holzheim als Vorzeigemodell zur Verwirklichung der Milleniumsentwicklungsziele ein. Helmut Weimar ist Motor des Holzheimer Vereins.
Holzheim.
Einsatz und fairer Handel mit den ruandischen Exportgütern Kaffee und Tee gehören zu den zukünftigen Prioritäten der Holzheimer Partnerschaftshilfe. Am Info-Besuch des Europaabgeordneten Norbert Neuser (3. von links) nahmen auch Karl August Meyer, Frank Puchtler, Helmut Weimar und Gerhard Ohl teil.
Foto: Kahl
Mehr als beeindruckt zeigte sich der aus Boppard stammende Europaabgeordnete Norbert Neuser während eines Informationsbesuchs in der "Millenniumsgemeinde" Holzheim über das vielfältige und vor allem ungebrochene Engagement der Aargemeinde im Bereich der Ruandahilfe.
Aufgrund ihrer seit 23 Jahren bestehenden Patenschaft mit dem Distrikt Rambura (früher Birembo) hatte Holzheim diesen Titel als eine von 20 Gemeinden in Rheinland-Pfalz im Frühjahr verliehen bekommen.
Zur Information über die Bedeutung, Aufgaben, Bilanz, Ziele und aktuellen Projekte der Milleniumsgemeinde, der Auslotung möglicher Kooperationsfelder bei Projekthilfen sowie der Koordination und Zusammenführung von europäischen und rheinland-pfälzischen Finanzkapazitäten war Neuser gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Landtagshaushalts- und Finanzausschusses, Frank Puchtler, an die Aar angereist.
Überschaubarkeit
Der seit zweieinhalb Jahren im Entwicklungsausschuss des Europäischen Parlaments tätige Neuser, der von Ortsbürgermeister Werner Dittmar und dessen Vorgänger und dem Holzheimer Ruandabeauftragten, Helmut Weimar, besonders begrüßt worden war: "Ich setze mich vor allem für eine gute, koordinierte europäische Entwicklungspolitik ein. Nur so können die Milleniumsentwicklungsziele erreicht werden." Er bedauerte jedoch, das viele der in Brüssel angeschobenen Projekte anonym bleiben.
Transparenz und Überschaubarkeit seien jedoch im Bereich der Entwicklungshilfearbeit eminent wichtig, und dies sei wohl eindeutig das Erfolgsgeheimnis der Länderpartnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda. Zudem seien "kleinere" Projekte, bei denen Kommunen und Menschen eingebunden sind, effektiver und nachhaltiger als eine namenlose und steife Schecküberweisung. Und vor allem Holzheim, das in nunmehr 23 Jahren mehr als 40 lebensnotwendige Projekte in Rambura realisiert hat, sei selbst in Brüssel keine unbekannte Gemeinde mehr. Neuser wörtlich: "Holzheim ist die heimliche Hauptstadt der Ruandapartnerschaft des Landes Rheinland-Pfalz."
Neuser, der im Namen seiner Herkunftsstadt Boppard schon persönlich in Ruanda weilte, beeindruckte neben den von Holzheim bereits umgesetzten Projekten wie
- Quellfassungen und Bau von Wasserzisternen,
- Neubau und Erweiterung von Primarschulen,
- bauliche Verbesserungen an drei Sekundarschulen,
- Schülerpatenschaften für Waisenkinder,
- Unterstützung von Witwen durch den Kauf einer Getreidemühle für Lohnmahlungen und der Anschaffung von Ziegen und Schweinen,
- Bau und Ausstattung eines Gesundheitszentrums mit Aids-Labor,
- der Anschaffung eines Krankenwagen,
- Baumpflanzungen,
- Verbesserung der Infrastruktur durch Stromversorgung der Schulen,
- Bau eines Gemeindebüros und einer Bibliothek,
- Bau eines Sportplatzes
- und dem Aufbau einer Frauenfußballmannschaft (spielt in der Ersten Nationalliga),
- vor allem für das aktuelle Schwerpunktprojekt in Sachen beruflicher Bildung.
Holzheim hat in Kibihekane ein Berufsausbildungszentrum für Schlosser, Schweißer, Elektriker und Automechaniker aufgebaut und eingerichtet.
"Dafür sammeln wir aktuell Gelder, um ein gebrauchtes Auto für die Mechaniker und ein mobiles Photovoltaik-Experimentiersystem für die Elektriker anschaffen zu können. Auch zwei bis drei gebrauchte Computer mit Zeichenprogrammen stehen auf unserer Wunschliste", so Helmut Weimar, der bei der Aufzählung betonte, dass bei allen Hilfen keinerlei Gelder der Gemeinde eingesetzt wurden und werden.
Als nächste Benefiz-Veranstaltung für die Ruandahilfe hat die Crew um Helmut Weimar ein Konzert in der Diezer Herz-Jesu-Kirche organisiert. Über 200 Aktive verschiedenster Gesangsformationen werden am Freitag, dem 25. November, singend um Spenden für das Berufsausbildungszentrum Kibihekane bitten.
Bei freiem Eintritt werden unter anderem "Die Quelle" Fachingen, der Frauenchor Heistenbach, der gemischte Chor Biskirchen, "The Dörsdorf Harmonists", der Projektchor der Kirchengemeinde Herz-Jesu, das Vocalensemble "Carprice" Oberlahn und alle Holzheimer Chöre (Cantiamo, MGV Eintracht und Schoppensänger) zu erleben sein. Zudem treten das Diezer Instrumentalensemble "Camerata" und die Alphornbläser "Schnepfenried" auf.
Im kommenden Jahr feiert Rheinland-Pfalz die 30-jährige Partnerschaft mit Ruanda. Hierzu seien laut Neuser "gegenseitige" Besuche von Bürgermeisterdelegationen denkbar, und Helmut Weimar kündigte für die 25-jährige Partnerschaft zwischen Holzheim und Rambura (2013) den eventuellen Besuch des ruandischen Premiers in Holzheim an.
Quelle: NNP v. 24.10.2011| < Zurück | Weiter > |
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