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Eine Symbiose: Handball trifft Fußball

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DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger sprach vor dem Förderverein des TuS Holzheim über Werte, Fairness und die Leistungs-Gesellschaft

TuS-Fördervereins-Vorsitzender Heiko Ohl (links) überreicht DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger eine Collage mit dessen Enkelkindern. Zwanzigers Ehefrau ist die Schwester von Ohls Mutter. Foto: Bude TuS-Fördervereins-Vorsitzender Heiko Ohl (links) überreicht DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger eine Collage mit dessen Enkelkindern. Zwanzigers Ehefrau ist die Schwester von Ohls Mutter.
Foto: Bude

Von Bernd Bude

Wenn der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Dr. Theo Zwanziger, seine Stimme erhebt, dann stellen die Zuhörer ihre "Antennen" auf Empfang. In Holzheim fesselte der Altendiezer das Publikum mit einem engagierten Plädoyer für eine leistungsbezogene Gesellschaft.

Holzheim. Der Präsident des mitgliederstärksten Dachverbandes der Bundesrepublik referierte in der Holzheimer Ardeckhalle auf Einladung des Handball-Oberligisten TuS Holzheim und dessen Förderverein vor Vertretern von Sport, Politik, Wirtschaft und Presse. Frisch, frei, von der Leber weg und ohne Redevorlage sah sich der 64-Jährige bei seinem Heimspiel mit einem aufmerksamen Publikum konfrontiert, das ihm nach seinen Ausführungen herzlichen Beifall spendete.

Dr. Theo Zwanziger lobte zunächst den TuS Holzheim, der sich seit Jahren als Mittelpunkt des Handballsports in der Region etabliert habe. 14 Jugend-Abteilungen zeugten davon, dass der TuS auch Kindern und Jugendlichen, die nicht nach Einsiedlertum strebten, eine sportliche Heimat bieten würde. In diesem Zusammenhang forderte der DFB-Chef die Schulen in der Bundesrepublik auf, sich mehr für den Sport einzusetzen, als Dinge zu vermitteln, die man später überhaupt nicht mehr gebrauchen könne.

"Bewegung fehlt überall, umso mehr müssen wir dem Sport Aufmerksamkeit schenken", sagte Zwanziger. Der TuS gäbe seinen Kindern und Jugendlichen auch den Anreiz, sich in Konkurrenzsituationen mit anderen Sportarten zu bestätigen.

"Kinder wollen sich nach Leistung orientieren und richten sich nach denen, die sich sportlich weiterentwickelt haben", erläuterte der Altendiezer. Wer die These vertrete, Leistung sei verwerflich, der sei auf dem falschen Weg, denn wenn Leistung nicht mehr zähle, dann würde die Gesellschaft verkommen. "Leistung muss gewollt und gefördert werden." Charakter und Persönlichkeit gehörten unter allen Umständen dazu, um sich durchzubeißen, denn in den "Flaschenhals" zu rutschen, Spitzenleistungen zu bringen, werde immer schwieriger.

Der TuS setze beispielsweise auf Leistung und fördere im Rahmen der wirtschaftlichen Machbarkeit. Dabei komme den Handballern der gute Kontakt zur Ortsgemeinde, der Verbandsgemeinde und dem Landkreis zugute. "Man packt noch an und hilft sich", sagte Zwanziger und fand für den ehemaligen Holzheimer Bürgermeister Helmut Weimar sehr viele lobende Worte. Weimar sei ein fantastisches Beispiel für die Annahme von sozialer Verantwortung, und er habe durch sein Wirken für die Partnerschaftsgemeinde in Ruanda sowohl in seinem sozialen Tun als auch der sportlichen Zusammenarbeit mit dem afrikanischen Staat sehr viel Gutes getan.

Er appellierte an die Sponsoren, sich mit dem von ihnen geförderten Verein oder der Institution zu identifizieren und dabei zugleich Tradition und Moderne zu verbinden. Nur so bekomme ein Sponsor auch etwas von seiner finanziellen Förderung zurück. Und: "Jeder Sponsor stützt die Ehrenamtlichkeit im Umfeld, die nicht messbar ist, aber von jeher schon große Bedeutung hat."

Elite verdient Unterstützung

Im Sport sei eine Spitze und Elite ganz besonders wichtig für Deutschland. Diese verdiene besondere Unterstützung. Nicht von ungefähr machte sich Dr. Theo Zwanziger für den Frauenfußball stark, der an wirtschaftlichem Wert deutlich zugenommen habe. Für die anstehende Frauen-WM in Deutschland müssen 50 Millionen Euro aufgebracht werden. Sechs Förderer hätten bereits 24 Millionen Euro mit der Begründung zur Verfügung gestellt, ein Stück Anteil am wachsenden Ansehen des Frauenfußballs zu haben.

Der Sport benötige außerdem Vorbilder, die durchaus keine Heiligen zu sein brauchten. Heiligsein sei unmenschlich, und für gewisse Verhaltensweisen und Fehler müsse es Entschuldigungen geben. Daher solle man Kindern durchaus auch negatives Verhalten von Sportlern vorführen und mit ihnen darüber diskutieren.

Als negatives Beispiel nannte Zwanziger das Verhalten des argentinischen Fußballstars Diego Maradona, der mit der "Hand Gottes" (die dämlichste Begründung, die ihm eingefallen sei) ein wichtiges Tor bei der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko gegen England erzielt hatte. Im Gegensatz dazu nannte er Deutschlands Fußball-Legende Fritz Walter, der bis zu seinem Lebensende als untadeliger Sportsmann aufgetreten sei.

Schließlich gab Dr. Zwanziger dem TuS mit auf den Weg, Tradition an Jugendliche weiterzutragen und den Spaß, den man im Verein hatte, an Jugendliche weiterzugeben. "Sie haben den Auftrag, Jugendliche zu anständigen und charakterstarken Persönlichkeiten zu formen", sagte der DFB-Präsident und beantwortete nach seinem Referat geduldig Fragen zur Frauen-Fußball-WM in Deutschland und zur Männer-WM in Südafrika sowie zum Wettskandal.

Quelle: NNP v. 23.01.2010

 

 

 

 

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